Abgeschickt von BAYERISCHER LANDTAG, ABGEORDNETER VOLKER HARTENSTEIN am 23 Juli, 2002 um 14:38:55
BAYERISCHER LANDTAG
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Erz
Landeshaupstadt München
Referat für Gesundheit und Umwelt
Herrn Umweltreferenten Joachim Lorenz
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OFFENER BRIEF
21.06.2002
SZ, 19.06.02 - München will mit Mini-Handyantennen Wildwuchs auf Dächern beenden
Sehr geehrter Herr Lorenz,
einer Mitteilung der Süddeutschen Zeitung v. 19.06.02 zufolge, favorisieren Sie im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Ausbau der Mobilfunknetze den Einsatz sog. Mikrozellen in der gesamten Münchner Fußgängerzone. Ihre Haltung begründen Sie laut SZ damit, dass Sie eine „Strahlenbelastung unterhalb jeder Genehmigungspflicht - so niedrig, dass selbst die als besonders streng geltenden Schweizer Grenzwerte weit unterschritten würden“, erwarten.
Mit dieser Aussage erwecken Sie in der Öffentlichkeit den Eindruck, dass durch Anwendung sog. Mikrozellen die Immissionsbelastung in der Innenstadt besonders gering gestaltet werden kann.
Das ist schlichtweg falsch und stellt deshalb bestenfalls eine Desinformation der Bürgerinnen und Bürger dar.
Als Beleg verweise ich auf die aktuelle Studie „Immissionen in Salzburg“, erstellt durch das Schweizer Bundesamt für Kommunikation in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum ARC Seibersdorf research GmbH; dem Magistrat Salzburg Amt für Umweltschutz, und der EMC-RF Szentkuti (2002). Hier (S. 9) heißt es u.a.:
· „Antennen von Mikrozellen müssen aus physikalischen Gründen nah bei den Kunden installiert werden. Dies führt zu folgender Situation. Obwohl die abgestrahlten Leistungen 100 bis 1000 mal kleiner sind als die Leistungen von Mast- oder Dachantennen ergeben sich relativ grosse Immissionswerte.“
· „Aus technischen und auch praktischen Gründen betragen die Entfernungen zwischen Antenne und Anwohner im allgemeinen nur einige Meter. Deshalb werden bei Mikrozellen maximale Immissionswerte von zirka 200 mW/m2 nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand zu unterschreiten sein.“
Zur Erinnerung:
· Der viel gepriesene, aber inzwischen an vielen innerstädtischen Orten nicht mehr eingehaltene sog. Salzburger Beurteilungswert liegt bei 1 mW/m2 (= 100 nW/cm2).
· Elektrosensible leiden unter Immissionsbelastungen, die mehrtausendfach unter den Werten liegen, die für die Münchner Innenstadt nach Installation von Mikrozellen zu erwarten sind.
Ich bitte Sie deshalb Ihre irreführenden Darstellungen in der Öffentlichkeit zu korrigieren. Über eine entsprechende Bestätigung würde ich mich freuen und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
gez.
Volker Hartenstein
P.S.: Nicht richtig ist leider auch die von Ihnen ´zitierte´ Aussage zu den Schweizer Grenzwerten. Diese sind genauso hoch wie in Deutschland (und anderen Ländern)! Für Räume mit empfindlicher Nutzung wurden lediglich sog. Vorsorgewerte (besser: Anlagenwerte) eingeführt. Sie liegen bezogen auf die Feldstärken um den Faktor 10 niedriger als die geltenden Grenzwerte. Nicht zu den Räumen mit empfindlicher Nutzung zählen jedoch z.B. Arbeitsplätze, Gärten usw.