Entführt: Der 15-jährige Alexander Wittmann (ddp)
26. Februar 2003

15-Jähriger in Ostholstein entführt

Lösegeldforderung in unbekannter Höhe eingegangen


Im Ostseebad Timmendorfer Strand ist offenbar ein 15 Jahre alter Jugendlicher entführt worden. Der Deutsch-Russe Alexander Wittmann war nach Angaben seiner Mutter am Dienstagabend gegen 20.00 Uhr telefonisch von einem Unbekannten unter einem Vorwand aus der Wohnung gelockt worden, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwochabend mitteilten. Anschließend sei er nicht mehr zurückgekehrt. Anderthalb Stunden später habe der Vater des Schülers einen anonymen Anruf erhalten, in dem ein Unbekannter in russischer Sprache eine "pauschale Geldforderung" gestellt habe.

Der Anrufer soll dem Mann laut Polizei gedroht haben, dass er seinen Sohn nicht wieder sehen würde, sollte er nicht zahlen. Weitere Kontakte zwischen den Eltern und den Entführern habe es bis zum Abend nicht gegeben. Die Ermittler glauben der Darstellung der Eltern. "Wir gehen von einer Entführung aus", sagte ein Polizeisprecher. Zur Höhe der Geldforderung wollte er sich unter Verweis auf ermittlungstaktische Gründe nicht äußern. Auch zu den möglichen Hintergründen der Entführung wollte er keine Angaben machen. Es gebe jedoch bereits Anhaltspunkte, denen man nachgehe, sagte der Sprecher.

Rund 130 Polizisten im Einsatz

Die Mutter hatte die Entführung kurz nach Mitternacht angezeigt. Bereits am frühen Mittwochmorgen richtete die Polizei eine "besondere Aufbauorganisation" (BAO) zur Aufklärung des Falls ein und startete eine umfangreiche Suchaktion. Am Abend waren rund 130 Polizisten im Einsatz. Das Fahrrad, mit dem der 15-Jährige die Wohnung verlassen hatte, ist mittlerweile in Timmendorfer Strand gefunden worden. Von dem Jungen fehlte ansonsten aber jede Spur.

Details zur Familie des russischstämmigen Vermissten mit deutschem Pass gab die Polizei zunächst nicht bekannt. Ein Sprecher sagte auf Anfrage lediglich, es handle sich nicht um so vermögende Eltern wie im Fall des in Frankfurt am Main ermordeten Bankierssohns Jakob von Metzler. Mögliche Hinweise auf den Aufenthaltsort des Jungen erhoffen sich die Ermittler durch Angaben aus der Bevölkerung. Die Polizei habe ein Bürgertelefon (0451-131-2222) geschaltet, an dem die Hinweise gegebenenfalls vertraulich behandelt werden könnten. Für mögliche russischsprachige Informanten stehe ein Dolmetscher zur Verfügung.

Donnerstag, 27. Februar 2003
Alexander wieder da
Hintergründe völlig unklar  

Der vermisste Junge aus Timmendorfer Strand ist wohlbehalten wieder aufgetaucht. Seit Dienstag hatten rund 130 Polizisten nach Alexander W. gesucht. Was dahinter stecke und ob es sich überhaupt um eine Entführung handelte, sei noch nicht geklärt, sagte ein Polizeisprecher.
 
Die Mutter von Alexander hatte in der Nacht zu Mittwoch die Entführung ihres Sohnes angezeigt. Er hatte nach einem Telefonanruf die Wohnung der russischstämmigen Familie gegangen und war nicht zurückgekehrt. Später habe ein Anrufer in russischer Sprache Geld gefordert. Andernfalls würden die Eltern den Jungen nicht wiedersehen. Das Fahrrad des Schülers wurde im Ort gefunden. Die Polizei setzte eine Sonderkommission ein. 130 Beamte suchten nach dem Jungen.
 
Am Donnerstagmorgen gegen 09.45 Uhr kehrte Alexander W. allein in sein Elternhaus zurück, teilte die Polizei mit. Die Ermittlungen über mögliche Hintergründe liefen auf Hochtouren. Am Nachmittag sollen auf einer Pressekonferenz Einzelheiten genannt werden.
 
Eine groß angelegte Durchsuchungsaktion mit Hubschraubereinsatz, die um 10.00 Uhr am Donnerstag starten sollte, konnte von der Polizeiführung noch rechtzeitig gestoppt werden.

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