Jakob von Metzler
Vor der Auffahrt zum Haus der Familie des entführten Jungen.
An dieser Bushaltestelle im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen wurde Jakob zuletzt gesehen.
Video Sorge um Jakob von Metzler
Entführungsfälle Täter werden meist gefasst
Hintergrund Bankhaus Metzler
Dienstag, 1. Oktober 2002
Elfjähriger in Gefahr
Bankierssohn gekidnappt  

Der entführte Sohn der Frankfurter Bankiersfamilie von Metzler schwebt nach Einschätzung der Polizei in höchster Lebensgefahr. Am Montagabend hatte die Polizei mitgeteilt, dass Jakob von Metzler in der Nähe seines Elternhauses gekidnappt worden war. Von ihm fehlte auch am Dienstagmorgen noch jede Spur.
 
Zwei Männer seien festgenommen worden. Zudem gab es eine Durchsuchungsaktion. Weitere Mittäter seien flüchtig. Mehr Details will die Polizei heute auf einer Pressekonferenz bekannt geben. Die fieberhafte Suche nach dem Kind hält an.
 
Jakob war am vergangenen Freitag in Frankfurt wenige Gehminuten von seinem Elternhaus entfernt im Stadtteil Sachsenhausen gekidnappt worden. Auf dem Nachhauseweg von der Schule habe er den Bus an der gewohnten Haltestelle an einem Supermarkt verlassen, berichtete die Polizei. Wenig später sei ein Erpresserbrief mit der Lösegeldforderung auf dem Gehweg zum Haus der Familie gefunden worden.
 
Wie verabredet wurde das Lösegeld in Höhe von einer Mio. Euro am frühen Montagmorgen in Frankfurt abgelegt. Entgegen der Absprache mit den Entführern sei der Junge bis zum Abend aber nicht freigelassen worden.
 
Unter der Telefonnummer 0800 / 1008011 bittet die Polizei um Hinweise. Gesucht werden Zeugen, die den Jungen beim Verlassen des Schulbusses oder danach gesehen haben. Jakob von Metzler ist etwa 1,45 Meter groß, hat mittelblondes kurzes Haar und blaue Augen. Am Freitag trug er sandfarbene Hosen, einen blau-weiß gestreiften Baumwollpulli, ein Hemd mit Kragen und weiße Sportschuhe der Marke "Puma ". Er hatte einen schwarzen Nylon-Rucksack der Marke "Eastpak" bei sich.

 

 

 

 

Friedrich von Metzler ist der Chef des Bankhauses.
Montag, 30. September 2002
Hintergrund
Das Bankhaus Metzler  

Das Frankfurter Bankhaus Metzler ist das älteste noch im Familienbesitz befindliche Geldinstitut Deutschlands. Im Gegensatz zu den großen Geschäftsbanken verzichtet die 1674 gegründete Privatbank fast ganz auf das Kreditgeschäft.
 
Stattdessen unterstützt sie in- und ausländische Unternehmen bei Börsengängen oder bei Übernahmen und Fusionen (Investmentbanking). Dabei zählen die Frankfurter zu den 15 größten Beratern dieser Art in Deutschland.
 
Das zweite Standbein von B. Metzler seel. Sohn & Co. ist die Vermögensberatung und -verwaltung für reiche Privatkunden und Institutionen. Für Banken, Versicherer und andere Finanzdienstleister kümmert sich das Frankfurter Traditionshaus um Aktiengeschäfte.
 
Schließlich ist es im Geld- und Devisenhandel sowie in der Währungs- und Finanzierungsberatung tätig. Insgesamt 650 Mitarbeiter erledigen diese Aufgaben. Neben Frankfurt arbeiten sie an den Standorten in München, Stuttgart, New York, Los Angeles, Seattle, Tokio und Dublin. Auch Metzler leidet unter der Bankenkrise. 2001 ging der Vorsteuergewinn von 8,9 auf 2,6 Mio. Euro zurück.
 
Die Ursprünge des Bankhauses gehen auf eine Tuchhandlung zurück, die Benjamin Metzer 1674 in Frankfurt gründete. Die Familie war im Laufe der Jahrhunderte auch politisch aktiv. Unter anderem war einer der Vorfahren Bürgermeister der Stadt Frankfurt.
 
Chef und persönlich haftender Gesellschafter ist der 1943 geborene Friedrich von Metzler. In Frankfurt pflegt die Bankiersfamilie das Mäzenatentum, während über ihr Privatleben so gut wie nichts bekannt ist. Großzügige Zuwendungen erhalten Museen und Universität sowie soziale Einrichtungen. Im Jahr 2000 spendete von Metzler zwei Mio. DM für soziale Projekte, unter anderem wurden ein Heim für behinderte Kinder und ein Hospiz für unheilbar Kranke bedacht. Außerdem finanziert das Bankhaus in Frankfurt eine Gastprofessur in Wirtschaftswissenschaften.

 

Polizei: Jakob von Metzler ist tot  VIDEO n-tv

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Elfljähriger Bankierssohn vermutlich schon am Entführungstag getötet

Der am Freitag in Frankfurt entführte elf Jahre alte Bankierssohn Jakob von Metzler ist tot. Das teilte die Polizei am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Frankfurt mit.


  01.10.2002
 

Jakob von Metzler

 

Ein zusammengeschnürtes Bündel mit den Konturen eines menschlichen Körpers sei bei Schlüchtern in einem Gewässer gefunden worden. Dabei handele es sich  um den Bankierssohn.

Am Dienstag hatte die Polizei auch bekannt gegeben, dass bei dem 27 Jahre alten Hauptverdächtigen ein Teil des Lösegeldes gefunden wurde. Die Polizei geht davon aus, dass der Junge bereits am Entführungstag getötet wurde. Die Polizei hat insgesamt vier Tatverdächtige am Montag und Dienstag festgenommen.

 
 

27-Jähriger als Hauptverdächtiger
     Der Tatverdacht richtet sich gegen einen 27 Jahre alten Mann aus Frankfurt. Der Jurastudent soll der Familie bekannt gewesen sein und noch am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt werden, sagte Oberstaatsanwalt Rainer Schilling. Gegen ihn werde ein Haftbefehl wegen erpresserischen Menschenraubes oder wegen Mordes beantragt, falls sich der Tod des Kindes bestätigen sollte. Drei weitere Tatverdächtige, die vorübergehend festgenommen worden waren, sind inzwischen wieder auf freiem Fuß.

In der Nacht waren zwei Tatverdächtige festgenommen worden, berichtete die Polizei am Vormittag. Es handelt sich um zwei 21 und 23 Jahre alte Brüder aus Frankfurt. Bei den am Montagnachmittag Festgenommenen handelt es sich um ein junges Pärchen, sagte Polizeisprecher Jürgen Linker am Dienstag. Das Mädchen sei 16 Jahre alt, ihr Partner 27 Jahre.

Der Polizeipräsident von Frankfurt, Harald Weiß-Bolland, bezeichnete die Entführung und Tötung als "menschenverachtendes Verbrechen". Die Tat sei in der jüngeren Geschichte zumindest des Polizeipräsidiums Frankfurt "ohne Beispiel". Die Polizei habe "alles menschenmögliche" unternommen, den Jungen lebend zu finden. "Leider ist es nicht gelungen." Alle zur Verfügung stehenden Mittel seien eingesetzt, andere wichtige Aufgaben vernachlässigt worden. Neun Hundertschaften und Spezialisten aus allen Bundesländern seien im Einsatz gewesen.

Hütten am Waldsee aufgebrochen
      Im Süden der Stadt konzentrierte die Polizei über tausend Polizisten, die den Stadtwald und das Gelände rund um den Langener Waldsee durchkämmen sollen. Dort soll der am Freitag entführte Jakob von Metzler nach Aussagen eines der Inhaftierten versteckt worden sein. Sondereinsatzkräfte brachen am Morgen Gartenhütten und Wohnwagen in der Nähe des beliebten Ausflugzieles auf. Polizeihubschrauber waren ebenso im Einsatz wie Hunde- und Reiterstaffeln.

Beim Durchsuchen einer Hütte stellte die Polizei Kleidungsstücke sicher. Diese tragen Flecken und gehörten offensichtlich nicht dem entführten Jungen, sagte ein Polizeisprecher. Im Labor sollen die Flecken genauer untersucht werden. Nach Einschätzung der Polizei sinkt mit zunehmender Zeit die Wahrscheinlichkeit, den Jungen noch lebend zu finden. Die Familie von Metzler mied den Kontakt mit den Medien.

Lösegeld im Stadtwald übergeben?
      Bereits in der Nacht war im Frankfurter Stadtwald nach dem Elfjährigen oder Spuren der Kidnapper gefahndet worden. Dort soll nach Informationen der "Bild"-Zeitung in der Nacht zum Montag die Übergabe des Lösegelds in Höhe von einer Million Euro stattgefunden haben. Trotzdem war Jakob nicht freigelassen worden.

Die fieberhafte Suche hatte sich am Abend auf den Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen konzentriert, wo Polizisten die Wohnungen der Festgenommenen durchsuchten. Die Polizei sucht vor allem Zeugen, die Jakob von Metzler am Freitag noch gesehen haben. Das Privathaus der Familie wurde von der Polizei abgeschirmt.

Mit Material von dpa, AP, AFP

Mittwoch, 2. Oktober 2002

Haftbefehl und Spurensuche Nach Jakobs Tod  

Nach dem Fund der Leiche des in Frankfurt entführten und ermordeten Bankierssohns Jakob von Metzler hat die Polizei die Spurensicherung am Fundort fortgesetzt. Bei einem Waldsee in der Nähe des osthessischen Schlüchtern sind mehrere Polizei-Hundertschaften im Einsatz, sagte ein Polizeisprecher.

Am Dienstagabend hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt bestätigt, dass es sich bei der am Mittag gefundenen Kinderleiche um den Elfjährigen handelt. Der tote Junge war in einem kleinen See bei Rabenstein im Vogelsbergkreis in der Nähe Frankfurts entdeckt worden.


Die Polizei geht davon aus, dass Jakob von Metzler bereits am Entführungstag getötet wurde. Die Eltern von Jakob hätten die Nachricht mit „bewundernswerter Gefasstheit“ aufgenommen, sagte Polizeipräsident Harald Weiss-Bollandt.  Er selbst habe sie informiert. Nach ZDF-Informationen hat das Ehepaar von Metzler persönlich die Leiche identifiziert.
 
1. Obduktionsergebnisse
 
Erste Obduktionsergebnisse der Leiche wurden für Mittwoch erwartet. Nach Angaben des Oberstaatsanwalts Rainer Schilling wurde der Junge möglicherweise erstickt. Die Leiche weise Anzeichen dafür und auch Würgemale auf, sagte Schilling in der ARD. Allerdings könne derzeit auch ein Tod durch Ertrinken nicht ausgeschlossen werden.
 
Jura-Student unter Mordverdacht
 
Gegen einen 27-Jährigen wurde am Dienstagabend Haftbefehl wegen erpresserischen Menschenraubes und Mordes erlassen. Nach Zeitungsberichten wurde der Jura-Student festgenommen, als er sich am Montag ein Flugticket auf die Malediven kaufen wollte. Den Mord habe der Verdächtige bei der Polizei bislang nicht explizit zugegeben. Nach Angaben des Ermittlungsleiters Gerhard Buddecker deuten aber viele Indizien und Bemerkungen auf seine alleinige Täterschaft. Vor dem Haftrichter äußerte sich der Mann auf Anraten seines Anwalts nicht. Der Beschuldigte wurde ins Untersuchungsgefängnis Darmstadt- Weiterstadt gebracht.
 
Er soll das Lösegeld in Höhe von einer Million Euro am Sonntag persönlich abgeholt haben. Die Polizei habe den Studenten bereits vor der Übergabe im Visier gehabt. Zwischen der Lösegeldforderung kurz nach der Entführung und der Geldübergabe habe es keinen weiteren Kontakt gegeben. Wie verabredet wurde das Lösegeld in Höhe von einer Million Euro am frühen Montagmorgen in Frankfurt abgelegt.
 
Der Jura-Student im 13. Semester habe in jüngerer Zeit versucht, mit den Kindern der Bankiers-Familie Freundschaft zu schließen, sagte Oberstaatsanwalt Rainer Schilling. Der bereits wegen einer anderen Straftat aufgefallene Mann soll gegenüber der Bushaltestelle gewohnt haben, an der Jakob von Metzler zuletzt gesehen worden ist. Möglicherweise stieg der Junge völlig arglos in den Wagen seines Bekannten und musste schon deshalb sterben, weil er seinen Entführer kannte.

Frankfurt nach der Tat
 
Der Tag nach der Todesnachricht wurde ein Tag der Trauer in Frankfurt. Bereits kurz nach Bekanntwerden der Tat legten Bürger Blumen am Privathaus der Familie von Metzler ab. Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth und der hessische Ministerpräsident Roland Koch kondolierten der in Frankfurt sozial engagierten Familie.

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