22.02.2002, 17:23
Mord an der zwölfjährigen Vanessa aufgeklärt Geständnis
abgelegt
Augsburg. Der Mord an der zwölfjährigen Vanessa im
bayerischen Gersthofen ist aufgeklärt. Ein 19-jähriger
Auszubildender aus dem Ort gestand die Tat. Sowohl im Polizeiverhör
als auch vor dem Haftrichter habe er zugegeben, das Mädchen getötet
zu haben, sagte der Sprecher der Augsburger Staatsanwaltschaft,
Reinhard Nemetz, am Freitag. «Die Vernehmungen legen den Schluss
nahe, dass er ein sehr hohes Gefährlichkeitspotenzial birgt und
weitere Straftaten zu erwarten gewesen wären», fügte Nemetz
hinzu. Bei dem 19-Jährigen handelt es sich um den Mann mit der
Totenkopfmaske, den die Polizei seit Donnerstag als Zeugen gesucht
hatte.
Vor seiner Tat hatte der Mann den Angaben zufolge bereits eine junge
Frau bis unmittelbar vor deren Wohnungstür verfolgt, war aber von
ihr angeherrscht und verscheucht worden. Auf dem Rückweg in eine
Gaststätte kam er am Haus der Eltern von Vanessa vorbei und sah das
Mädchen möglicherweise durch ein Fenster. Es handelte sich um eine
Zufallsbegegnung, wie Nemetz betonte.
Nach den Worten von Nemetz könnte der 19-Jährige durch den Mord
sexuell stimuliert worden sein, ohne sich an dem Opfer vergangen zu
haben. Nähere Angaben zum Motiv und genauen Ablauf der Tat wollten
Polizei und Staatsanwaltschaft aber noch nicht machen. «Ich werde
seine Aussagen zum Tatgeschehen hier nicht wiederholen. Dazu ist es
zu früh», sagte der Leitende Oberstaatsanwalt.
Der Leiter der Sonderkommission, Klaus Bayerl, betonte, die
Ermordung Vanessas sei eine äußerst brutale Tat gewesen. «Das war
keine alltägliche Tat. Es fällt schwer, die Bilder vom Tatort
wieder aus dem Kopf zu bekommen», sagte Bayerl. Einschlägig
vorbestraft sei der 19-Jährige allerdings nicht. Ob er aus einer
Horrorfan-Szene stammt, müsse noch ermittelt werden.
Die Zeugenaussage der verfolgten Frau und eines Mannes, der den 19-Jährigen
später in einer Gaststätte gesehen hatte, führten die Polizei auf
die Spur des mutmaßlichen Mörders. In seiner auffälligen
Verkleidung mit schwarzem Umhang und Totenkopfmaske hatte er sich in
dem Wirtshaus zusammen mit Gästen fotografieren lassen. Die Polizei
fand den 19-Jährigen schließlich in einer Bildungseinrichtung in
Gersthofen.
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Vanessa
beim Fasching feiern.
Es ist
das letzte Foto von ihr.

Rätselhafter
Mord
Der
junge Mann, der 1999 aus den neuen Bundesländern in den Augsburger
Raum gekommen war, fühlte sich bei seiner Vernehmung nach Nemetz'
Angaben zunächst sehr sicher. Zuerst habe er sich nur bei
Kleinigkeiten in Widersprüche verwickelt. «Wir haben dem Täter
nicht mit Suggestivfragen zugesetzt. Er hatte Gelegenheit, sich und
das Tatgeschehen zu entwickeln. Das macht uns sicher, dass er die
Wahrheit sagt», sagte Nemetz. Unter Tränen habe er schließlich
die Tat gestanden. Wie der Täter in die Wohnung gelangte, wurde
nicht mitgeteilt. Vanessa habe ihn nicht hineingelassen. Auch gab es
keine Einbruchspuren.
Die zwölfjährige Vanessa war in der Nacht zum Faschingsdienstag in
der elterlichen Wohnung mit mehreren Messerstichen getötet worden.
Die Eltern fanden die Tochter nach der Heimkehr von einem
Faschingsball leblos neben dem Bett. Der zehnjährige Bruder
Vanessas hatte während der Tat in einem anderen Zimmer der Wohnung
geschlafen und von der Tat nichts mitbekommen.
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